Kategorie-Archiv: Streuobst allgemein

Kirschen ernten erlaubt

Kein Wurm dabei: Die formidable Kirschenernte 2018

Aus einer Meldung der Stadt Mössingen: Dieses Jahr findet kein Kirschenverkauf der Stadt Mössingen statt.

In den Kirschenanlagen in Belsen, Brunnentröge und Bavendorf (Alter Morgen) dürfen die Kirschen auf eigenes Risiko selbst geerntet werden. Die Stadt bittet, bei der Ernte mit den Bäumen schonend umzugehen. Die Kirschen wurden übrigens nicht gespritzt.

In der oberen und unteren Anlage auf der Olgahöhe in Mössingen dürfen keine Kirschen gepflückt werden, da momentan die Bäume mit alten Sorten verstärkt gepflegt werden.

Weitere Auskünfte erteilt Frau Miftari bei der Stadtverwaltung, Telefon 07473/370-337.

Mist! Schon wieder eine Mistel!

Ein Beitrag von Hans Wener

Gerade über die kalte Jahreszeit, im unbelaubten Zustand der Obstbäume, ist die Zunahme des Mistelbewuchses besonders gut zu sehen. In der Blüte und mit zunehmender Belaubung geht dieses Problem das Jahr über unter.
Das Problem wird vergessen und die Bäume leiden unter dem Halbschmarotzer, bis zum nächsten Laubfall. Woher kommt dieses Problem? Immer weniger werden die alten Bäume gepflegt, auf den hohen kommunalen Bäumen (Pappeln!) nimmt der Mistelbewuchs zu. Erhöhte Windanfälligkeit und Schneebruchgefahr der befallenen Bäume sind die Folge. Der fachgerechte Schnitt gibt dem Baum neue Lebenskraft.

Mistelbefall gefährdet Streuobstbäume
Auch schon junge Bäume sind befallen, größere Gebiete mit total „vermistelten“ Bäumen sind die Quelle für neue Infektionen. Haben die Misteln mal Beeren angesetzt wird das Problem virulent. Durch die Vögel werden die Beeren verbreitet, am Gefieder oder über den Verdauungstrakt werden die Samen auf weitere Bäume verteilt. Die wärmeren Temperaturen und der Mangel an anderen Früchten erweitern die Verteilung der Infektion.

Mistelbeeren (Bild: Hans Wener)

Mistelbeeren (Bild: Hans Wener)

Pflege der Bäume
Nur durch massives Entfernen (Ausbrechen bei Frost oder Absägen/Abschneiden direkt an der Rinde) der Misteln kann diese Verbreitung eingeschränkt werden. Ist ein Baum befallen, so sollte der befallene Ast ganz abgesägt werden (ca. 30 cm hinter der Ansatzstelle), sonst verbleiben im Kambium die Seitenwurzeln, die einen Neuauswuchs produzieren. Ein Abreißen der Mistel ist nur kurzfristig eine Verbesserung, die Mistel schlägt wieder aus. Der einzige Vorteil ist, dass die Beeren mit entfernt werden und eine Weiterinfektion auf andere Bäume vermieden wird. Bäume mit starkem Befall und einer größeren Anzahl älterer Mistelpflanzen lassen sich daher kaum noch erfolgreich und baumschonend sanieren.

Schädigung durch Mistel
Da der Mistelbefall über kurz oder lang aber zum wahrscheinlichen Absterben des Baumes führt, sind Sondermaßnahmen in Form von starken Eingriffen als Alternative zur Fällung zu erwägen. Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass so behandelte Bäume noch einige Jahre leben, die Fällung ist die finale Lösung des Problems.

Handeln ist angesagt
Wichtige Information: Die Laubholzmistel ist nicht geschützt. Als Halbschmarotzer schwächt sie ihren Wirtsbaum und entzieht ihm hauptsächlich Wasser und Mineralstoffe und schädigt den Baum langfristig bis zum Absterben. Nur ein massiver Eingriff mit möglichst vollständigem Entfernen der Misteln lässt den Baum langfristig überleben.

Misteln befallen hauptsächlich ältere Bäume - aber nicht nur. (Bild: Hans Wener)

Misteln befallen hauptsächlich ältere Bäume – aber nicht nur. (Bild: Hans Wener)

Bildschön: die Mössinger Streuobstwiesen

Den neuen Streuobstkalender von Rudolf Schneider hatten wir ja bereits vorgestellt Er hat allerdings einen kleinen Nachteil: Nach zwölf meisterhaften Streubostwiesen-Bildern (pro Monat eines) ist er schon wieder aus.

Wem das nicht reicht, der kann am 10. November mehr davon kriegen. Denn Rudi Schneider zeigt in einem ca. 40-minütigen Vortrag über den Grünspecht viele weitere Bilder. Dazu spannende Informationen zum Streuobstwiesenbewohner Grünspecht: „Lebensraum, Höhlenbau, Jungenaufzucht usw. mit viel Bildmaterial und einigen Erklärungen dazu“ (O-Ton Rudi Schneider).

Rudolf Schneider:
Bildervortrag Grünspecht
Freitag, 10.11.2017, 20 Uhr
NABU-Geschäftsstelle
Hallstattstraße 19

Typischer Streuobstwiesenbewohner: Der Grünspecht (Bild: Rudolf Schneider)

Typischer Streuobstwiesenbewohner: Der Grünspecht (Bild: Rudolf Schneider)

Seminarplätze frei

Im Streuobstparadies sind noch einige Restplätze für Spezialseminare buchbar:

Most und Obstwein selbst gemacht
Anfänger-Seminar am 19.8. in Bissingen/Teck oder 2.9. in Bad Ditzenbach, jeweils 10-17 Uhr
Referenten: Rudolf Thaler bzw. August Kottmann
Kosten: 80 Euro pro Person
Fortgeschrittenen-Seminar am 19.8. in Herrenberg-Mönchberg oder 2.9. in Rosenfeld, jeweils 10-17 Uhr
Referent: Stefan Holweger
Kosten: 80 Euro pro Person

Obstsorten bestimmen
2-tägiges Seminar am 26.8. und 21.10.2017 im Freilichtmuseum Beuren oder im OGV Vereinsheim Mössingen, jeweils 10-17h
Referenten: August Kottmann, Denise Emer, Markus Zehnder, Rudolf Thaler
Kosten: 140 Euro pro Person

Weitere Details zu den Seminarinhalten und den inkludierten Leistungen finden sich unter www.streuobstparadies.de.

Bürgerdialog mit Streuobstrundgang

Stuttgart ist weit, Papier ist geduldig und grün sind oft auch die Tische, an denen Gesetze gemacht werden. Daher freuen wir uns, dass die Landtagsfraktion der Grünen den Dialog mit den Bürgern sucht und am Donnerstag, 27.4. mit zwei Landtagsabgeordneten und einem Staatssekretär nach Mössingen kommt, um sich vor Ort mit den Anliegen der Bürger zu befassen. Ab 19.30 heißt es im Feuerwehrhaus Mössingen „Ihre Meinungen & Ideen – Reden Sie mit!“

buergerdialog

Noch mehr freuen wir uns, dass sich die Grüne Landtagsfraktion vorab „ein Bild von erfolgreicher Landschaftserhaltung“ ausgerechnet in den Mössinger Streuobstwiesen machen möchte. Um 16 Uhr treffen sich Interessierte zu einem Rundgang mit den Politikern und dem Netzwerk Streuobst am Schützenhaus Mössingen. Ob und wie erfolgreich – und was es noch zu verbessern gilt – das wird dann vor Ort am Panoramaweg Streuobst zu diskutieren sein.

Die Veranstaltung ist öffentlich, hier geht’s zur Anmeldung.

Schnittprämie – Prüfungskriterien

Wie berichtet, informierte Kreisobstbauberater Joachim Löckelt am 11.3. bei einer Veranstaltung im Lehr- und Schaugarten des Obst- und Gartenbauvereins Mössingen über die Kriterien, die für die Vergabe der Schnittprämie angelegt werden. Die Fachwartvereinigung des KOV Tübingen hat die Ergebnisse der Veranstaltung kompakt zusammengefasst. Hier das Protokoll:

  1. Es soll ein fachgerechter Schnitt sein! Das kann bei Schnittkursen und durch „Lernen vom Baum“ eingeübt werden. Auch die Fachliteratur gibt wertvolle Hilfestellungen (z.B. „Naturgemäße Kronenpflege am Obsthochstamm“ von Hans-Thomas Bosch vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee).
  2. Es sollte für die Kontrolle erkennbar sein, dass auch geschnitten wurde! Das Abschneiden von zwei, drei Zweigen reicht nicht.
  3. Bei jüngeren Bäumen einen strukturierten Kronenaufbau anstreben, mit einer klaren Stammverlängerung (Gipfel), drei bis vier dominanten Leitästen und untergeordneten Seiten- bzw. Fruchtästen. Konkurrenztriebe und Gabelungen an den Spitzen der Stammverlängerung und der Leitäste entfernen.
  4. Die Krone soll nach oben offen sein, damit genügend Licht auf alle Astbereiche fällt und eine entsprechend gute Obstqualität erreicht wird.
  5. Bei älteren Bäumen lässt sich oft kein idealer Kronenaufbau mehr herstellen, aber auch hier soll neben dem abgetragenen Holz im unteren Bereich vor allem im oberen Bereich ausgelichtet werden.
  6. Der Baum soll in ein Gleichgewicht zwischen Triebwachstum und Fruchten kommen. Wenn er zu stark treibt, lichten Sie nur mäßig aus und lassen ihn zur Ruhe kommen. Wenn er kaum mehr Neutrieb zeigt, lichten Sie kräftiger aus und entnehmen einen Teil des abgetragenen herunterhängenden Fruchtholzes.
  7. Entfernen Sie an den Leitästen nach innen oder quer wachsende Langtriebe.
  8. Belassen Sie kurzes Fruchtholz als Sonnenschutz gegen Rindenschäden auf den Ästen – kein kahles Gerüst schneiden.
  9. Schneiden Sie letztjährige Triebe in der Regel nicht an (außer während der Erziehung der Mitte und der Leitäste) – die Neutriebe entweder lang lassen, so dass sie im Folgejahr fruchten oder ganz wegschneiden.
  10. Auf sichere Statik des Baumes achten, weit ausladende Äste bei Bedarf auf stammnähere Äste aufleiten.
  11. Keine großen Sägestellen (über 10 cm Durchmesser) am Grundgerüst, sie können über Pilzbefall zum Absterben des Baumes führen.
  12. Möglichst keine Rindenrisse an den Schnittstellen.
  13. Keine Stummel stehen lassen.

Omel-Etymologie

Nachdem sich der Steinlach-Bote kürzlich zweimal mit der Omel, dem original Steinlachtäler Kirscherntegerät – befasst hat, kam nun die abschließende etymologische Klärung aus Leserinnenkreisen. Woher das Wort „Omel“ stammt, wusste nämlich Erna Oberkirsch aus Belsen: Das lateinische Wort „ama“ (Eimer, Schüssel) wurde im Althochdeutschen zum Flüssigkeitsmaß „âma“ oder „ôma“, was sich in der Steinlachtäler „Omel“ erhielt.

Baumschnittförderung: so wird geprüft

Das Landratsamt Tübingen mit Joachim Löckelt als Fachberater lädt zu einer Informationsveranstaltung für die Teilnehmer an der landesweiten Förderung Baumschnitt-Streuobst (wir berichteten) ein. Die Veranstaltung findet am Samstag den 11. März ab 9.30 Uhr in Mössingen statt. Ende der Veranstaltung ca. 11.00 Uhr. Treffpunkt ist der Lehr- und Schaugarten des Obst- und Gartenbauvereins Mössingen im „weiten Hardt“.

Die Veranstaltung ist kein Schnittkurs. Gezeigt wird der Schnitt an einem Jungbaum, an einem 15-20jährigen Altbaum und ansatzweise wird noch der Altkronenschnitt erläutert. Mit dieser Unterweisung sollen die Standards der Schnitttechnik gezeigt werden, so dass nach den Maßnahmen der einzelnen Bearbeiter der Schnitt akzeptiert werden kann. Es werden auch Negativbeispiele (Kappungen, Huthaken und eingerissene Schnittstellen) angesprochen bzw. gezeigt.