Idee

zugewucherte Goldparmäne

zugewucherte Goldparmäne am Panoramaweg (2010)

Im Mössinger „Stadtentwicklungsplan 2010“, verabschiedet im Juli 2001, wurden u.a. folgende Leitbilder formuliert:

„Natur und Landschaft sind das größte Kapital Mössingens. Der schonende Umgang mit der Landschaft hat daher hohe Priorität. (…)
Die Landschaft soll erhalten und ihre Pflege gesichert werden. (…)
Der Erhalt der Streuobstwiesen um die Stadt soll gesichert und gefördert werden.“

Weil offenbar viele Bürger und Vereinigungen der Meinung waren, diese Leitbilder müssten mit tatkräftigem Einsatz unterstützt werden, entwickelte sich aus dem Arbeitskreis „Wohnen – Siedlung – Landschaft“ des Mössinger Lokalen-Agenda-Prozesses im Jahr 2005 das „Netzwerk Streuobst Mössingen“. Es wurde gleichzeitig Modellprojekt des „Netzwerks Naturschutz“ im Regierungspräsidium Tübingen und agierte als Untergruppe des Agenda-Vereins MuT e.V.. 2016 wurde das Netzwerk Streuobst Mössingen als gemeinnütziger Verein ins Vereinsregister eingetragen. Heute schaut es auf eine mehrjährige, erfolgreiche Geschichte zurück.

Die damals entwickelten, grundlegenden Überlegungen für die Notwendigkeit und Aufgaben eines solchen Netzwerks gelten auch heute noch unverändert:

Streuobst besitzt einen Wert.
„Was nix koscht, isch nix“, weiß der Schwabe, und dennoch bleiben ökologisch wertvolle, biologisch angebaute und die Landschaft schonende Früchte aus den Streuobstwiesen auf dem Boden liegen, weil z.B. für den Doppelzentner Äpfel oft unter 10 Euro bezahlt werden. Auf der anderen Seite wird geschmacklich minderwertiges, mit Spritzmitteln kontaminiertes Obst aus Übersee herangeschafft und zu Ramschpreisen im Supermarkt verkauft. Hier stimmt die Gesamtrechnung nicht. Nicht nur Politik und Verbraucher, wir alle sind gefragt, dieses Missverhältnis zu ändern. Die Gesellschaft müsste bereit sein, den realen Gegenwert zu bezahlen.
Das Netzwerk Streuobst Mössingen versucht auf vielfältige Weise, dem Streuobst seinen Wert zurückzugeben, zum Beispiel

Streuobstwiesen sind Teil unserer regionalen Identität.
„Jetzt hocksch du am Sonndich en Sidnei rom, ond drhoim sott mer d’Beem schneida!“, sagt der weltläufige Schwabe bei Thaddäus Troll. Aber auch wer keine Bäume pflegt, spürt doch, dass diese Landschaft ein Teil von uns selbst ist. Und ist dennoch oftmals verwundert, dass andere hier Urlaub machen. So sehr haben wir uns an die Schönheit unserer Heimat gewöhnt.
Das Netzwerk Streuobst Mössingen versucht, dieser regionalen Identität ein Gesicht zu geben:

  • Apfelwoche und Apfelfest zeigen, dass die Mössingerinnen und Mössinger sehr wohl um ihr Obst wissen und es auch feiern können.
  • Der Panoramaweg Streuobst vermittelt nicht nur Jüngeren und Zugezogenen die Zusammenhänge zwischen Kulturlandschaft und Kulturgeschichte, Ökologie und Ökonomie, Kultur und Natur.

Die Mössinger Obstbautradition hat Zukunft.
„Streuobst, das sind alte Männer auf Leitern“, hieß es noch vor nicht allzulanger Zeit eher abschätzig. Das Netzwerk Streuobst Mössingen bedankt sich bei allen „alten Männern auf Leitern“, dass sie sich so lange um die Obstwiesen gekümmert haben, bis die junge Generation wieder entdeckt, welchen Schatz ihre Vorfahren ihnen da hinterlassen haben:

  • ein Ökosystem, das das heimische Klima schützt und eine außergewöhnlich vielfältige Flora und Fauna hervorgebracht hat
  • ein enormes Potenzial an Arbeitsplätzen in Tourismus, Verarbeitung und Vermarktung von Streuobst sowie in der Landschaftspflege
  • einen Standortfaktor, der im Werben der Unternehmen um Arbeitskräfte zunehmend wichtig wird
  • einen Freizeitort für Familien, ein Fitnessstudio für Büroarbeiter, eine neue „Landlust“
  • Mit mystueckle.de hat das Netzwerk Streuobst in Zusammenarbeit mit der Stadt Mössingen eine zeitgemäße Plattform geschaffen, mit der junge Familien das passende Streuobstgrundstück finden können.

Naturschützer und Naturnützer ziehen an einem Strang.
Der Obstbau verzichtet auf Spritzmittel und der NABU propagiert: „Mosttrinker sind Naturschützer“. Schon seit Jahren setzt sich die Erkenntnis durch, dass man miteinander mehr erreichen kann als gegeneinander. Und so unterstützen Naturschützer Grundbesitzer bei der Pflege ihrer „Stückle“ und Gütlesbesitzer ersetzen nicht gleich jeden abgegangenen Baum, sondern lassen Totholz als Nisthöhlen für zahlreiche Vogelarten stehen.

Goldparmäne 2014

Freigeschnittene und gepflegte Goldparmäne am Panoramaweg (2014)

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