6 Nutzung und Pflege

Bei all dem Nutzen, den Streuobstwiesen haben, gehört natürlich ein bestimmtes Maß an Pflege dazu. Das Schöne: Die Arbeit verteilt sich gut über das Jahr und ist bei der Größe einer Allmandfläche – um die 10 Bäume auf rund 10 Ar – recht überschaubar. Weil die Obstbestände meist gemischt sind, findet auch die Ernte über mehrere Monate verteilt statt. Und mit etwas Glück übernimmt eine vorbeiziehende Schafherde das Mähen der Wiese.

Gerätschaften zum Baumschnitt

Gerätschaften zum Baumschnitt

Baum- und Wiesenpflege
Um zu verstehen, wie Streuobstwiesen zu pflegen sind, nochmals einen Blick zurück: Ziel war es ja, in einer Kombination aus Obsterzeugung und Grünlandbewirtschaftung Erträge auf zwei Ebenen zu erzielen. Um die Bewirtschaftung der darunterliegenden Fläche zu ermöglichen, wurden daher meist hochstämmige Bäume mit einer unteren Asthöhe von ca. 1,80 Meter gepflanzt. Diese Wirtschaftsform brachte den heute sichtbaren Artenreichtum, die Blütenpracht und den Obstgenuss hervor.
Um all dies zu erhalten, ist es erforderlich, die Wiesen ein– bis zweimal jährlich zu mähen oder zu beweiden, damit das Gelände nicht verbuscht. Die erste Mahd erfolgt nach der Wiesenblüte, die zweite im Herbst nach Bedarf. Zu häufiges Mähen oder Düngen führt zu einem Schwund der typischen Streuobstwiesen-­Begleitflora und damit auch der dazugehörigen Tierwelt.
Der Baumschnitt dient dazu, den Ertrag qualitativ und quantitativ zu erhöhen, Krankheitsanfälligkeiten zu reduzieren und so die Lebenserwartung der Bäume zu verlängern. Bei Krankheiten wie dem Feuerbrand müssen befallene Bäume stark zurückgeschnitten oder gefällt werden, da sich diese Krankheit sehr leicht ausbreitet.
Wo alte Obstbäume ausfallen, werden neue nachgepflanzt. Dabei beginnt die Pflege schon bei der Auswahl der Sorte. Wird eine standortangepasste Sorte gewählt, ist mit viel geringerem Pflegeaufwand zu rechnen, da sie weniger krankheitsanfällig sein wird.

Nutzung und Pflege im Jahreslauf

Die Streuobstjahreszeiten

Die Streuobstwiese im Lauf der Jahreszeiten

Balkenmäher oder Rasenmäher?

Balkenmäher oder Rasenmäher? Das linke Gerät schont Umwelt und Benutzer.

Rasenmäher oder Balkenmäher?
Um mit dem Rasenmäher mähen zu können, muss das Gras sehr kurz gehalten werden. Dadurch wird ­häufiges Mähen erforderlich, ein hoher Arbeitsaufwand. Zudem ist der Einsatz des Rasenmähers in unebenem Gelände – wie bei Streuobst­wiesen oft der Fall – schwierig.
Das Mähen mit dem Rasenmäher hat aber auch negative Folgen für Flora und Fauna. Da gemäht werden muss, bevor viele typische Wiesenarten geblüht und ausgesamt haben, werden die Wiesen artenarm. Damit verlieren auch viele an die blumenreichen Wiesen angepasste Tierarten ihre Nahrungsgrundlage und werden verdrängt.
Der Rasenmäher stellt für Kleinlebe­wesen wie Insekten eine direkte Bedrohung dar, weil sie dem tief ansetzenden Mähwerkzeug anders als beim Balkenmäher nicht entfliehen können.
Kurz: Der Balkenmäher ist in jedem Fall die effektivere und schonendere Wahl.

Liebe Besucherinnen und Besucher!
Haben wir Sie neugierig gemacht? Überlegen Sie sich, selbst ein Allmandteil zu pachten? Aber Sie haben noch Fragen wie:
• Wer bringt mir bei, wie ich Bäume schneide?
• Wo kann ich mein Obst saften lassen? Was ist „Bag-in-Box“?
• Wo kann ich einen Balkenmäher leihen?
• Wieviel Pacht muss ich für ein Allmandteil bezahlen?
Aktuelle Antworten auf diese und viele andere Fragen bekommen Sie in unserem Flyer, den Sie entweder direkt hier finden oder im Rathaus erhalten. Zur letzten Frage gleich die Antwort: Für ein Allmandteil muss keine Pacht bezahlt werden. Es fällt lediglich eine geringe Verwaltungsgebühr an.
Übrigens: Wer mehr über Obstsorten erfahren möchte, findet wertvolle Informationen beim Lehrpfad des Obst‑ und Gartenbauvereins Belsen, der dort am Schafhaus startet.
Falls Sie unseren Lehrpfad interessant und lehrreich fanden, liegt dies sicherlich mit an den Luftbildern von Manfred Grohe, den Grafiken von Harry Rey und den Tier‑ und Pflanzenbildern von Dietmar Nill, für die wir uns ganz herzlich bedanken.
Ihr Netzwerk Streuobst
(Mössingen im Mai 2010)


Franz fragtHat deine Familie schon eine Streuobstwiese oder ein Allmandteil?
Magst du dein Obst auch lieber selber pflücken? Kletterst du gerne auf Bäumen rum?

Die Antworten zu Tafel 5:
Die Blume heißt Wiesensalbei.
Die jüngeren Bäume wurden 2004 gepflanzt, der alte Kirschbaum ist über 70 Jahre alt.


Download
Panoramaweg Tafel 6
Tafel 6: Nutzung und Pflege (PDF, 475 KB)

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