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Mist! Schon wieder eine Mistel!

Ein Beitrag von Hans Wener

Gerade über die kalte Jahreszeit, im unbelaubten Zustand der Obstbäume, ist die Zunahme des Mistelbewuchses besonders gut zu sehen. In der Blüte und mit zunehmender Belaubung geht dieses Problem das Jahr über unter.
Das Problem wird vergessen und die Bäume leiden unter dem Halbschmarotzer, bis zum nächsten Laubfall. Woher kommt dieses Problem? Immer weniger werden die alten Bäume gepflegt, auf den hohen kommunalen Bäumen (Pappeln!) nimmt der Mistelbewuchs zu. Erhöhte Windanfälligkeit und Schneebruchgefahr der befallenen Bäume sind die Folge. Der fachgerechte Schnitt gibt dem Baum neue Lebenskraft.

Mistelbefall gefährdet Streuobstbäume
Auch schon junge Bäume sind befallen, größere Gebiete mit total „vermistelten“ Bäumen sind die Quelle für neue Infektionen. Haben die Misteln mal Beeren angesetzt wird das Problem virulent. Durch die Vögel werden die Beeren verbreitet, am Gefieder oder über den Verdauungstrakt werden die Samen auf weitere Bäume verteilt. Die wärmeren Temperaturen und der Mangel an anderen Früchten erweitern die Verteilung der Infektion.

Mistelbeeren (Bild: Hans Wener)

Mistelbeeren (Bild: Hans Wener)

Pflege der Bäume
Nur durch massives Entfernen (Ausbrechen bei Frost oder Absägen/Abschneiden direkt an der Rinde) der Misteln kann diese Verbreitung eingeschränkt werden. Ist ein Baum befallen, so sollte der befallene Ast ganz abgesägt werden (ca. 30 cm hinter der Ansatzstelle), sonst verbleiben im Kambium die Seitenwurzeln, die einen Neuauswuchs produzieren. Ein Abreißen der Mistel ist nur kurzfristig eine Verbesserung, die Mistel schlägt wieder aus. Der einzige Vorteil ist, dass die Beeren mit entfernt werden und eine Weiterinfektion auf andere Bäume vermieden wird. Bäume mit starkem Befall und einer größeren Anzahl älterer Mistelpflanzen lassen sich daher kaum noch erfolgreich und baumschonend sanieren.

Schädigung durch Mistel
Da der Mistelbefall über kurz oder lang aber zum wahrscheinlichen Absterben des Baumes führt, sind Sondermaßnahmen in Form von starken Eingriffen als Alternative zur Fällung zu erwägen. Es besteht zumindest die Möglichkeit, dass so behandelte Bäume noch einige Jahre leben, die Fällung ist die finale Lösung des Problems.

Handeln ist angesagt
Wichtige Information: Die Laubholzmistel ist nicht geschützt. Als Halbschmarotzer schwächt sie ihren Wirtsbaum und entzieht ihm hauptsächlich Wasser und Mineralstoffe und schädigt den Baum langfristig bis zum Absterben. Nur ein massiver Eingriff mit möglichst vollständigem Entfernen der Misteln lässt den Baum langfristig überleben.

Misteln befallen hauptsächlich ältere Bäume - aber nicht nur. (Bild: Hans Wener)

Misteln befallen hauptsächlich ältere Bäume – aber nicht nur. (Bild: Hans Wener)