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Neue Bäume braucht das Land

Am vergangenen Samstag, 8. November, war es bei strahlendem Herbstwetter endlich soweit: 305 bestellte Obstbäume (wie berichteten) konnten beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) Mössingen abgeholt werden. Dank perfekter Organisation musste niemand lange auf sein(e) Bäumchen warten.

Reibungsloser Ablauf: Baumabholung beim OGV Mössingen

Reibungsloser Ablauf: Baumabholung beim OGV Mössingen

Möglich war dies nur, weil sich viele ehrenamtliche Kräfte beim OGV darum gekümmert hatten, dass jeder Baum dem richtigen Besitzer zugeordnet werden konnte. Zwei Euro Spende pro Baum flossen dafür in die Vereinskasse – ein mageres Entgelt für eine riesige Kraftanstrengung. So waren in stundenlanger Arbeit tags zuvor alle bestellten Baum-Päckchen zusammengestellt und fein säuberlich sortiert am Zaun des OGV-Lehrgartens aufgereiht worden.

Über 80 Baum-Päckchen (hier ein kleiner Auschnitt) warten auf die Abholung.

Über 80 Baum-Päckchen (hier ein kleiner Auschnitt) warten auf die Abholung.

Zum Preis von 10 Euro gab es zu jedem Baum einen Holzpflock, einen Bissschutz (Rehe und Schafe mögen die frische Rinde der jungen Bäume), ein Seil zum Anbinden sowie eine Anleitung zum Pflanzen der Hochstämme, über die so mancher Gütlesbesitzer froh war. Weil es vielleicht auch andere interessiert: Hier ist sie (Quelle: Webseite des OGV Mössingen).

Pflanzanleitung

Der Pflanzabstand zwischen Streuobstbäumen sollte mindestens 10 m betragen.

  1. Pflanzgrube: Mit Spaten und Schaufel aus der Grasnarbe ein Quadrat 90 cm mal 90 cm eine Spatenlänge tief ausheben. Aushub mit der Hacke zerkleinern und nachher zuletzt einfüllen.
    Die Grube noch eine halbe Spatenlänge tiefer ausgraben und den Grund lockern.
  2. Vor dem Einpflanzen der Bäume sollten die Wurzeln mit einer Baumschere bis ins vitale Holz frisch angeschnitten werden.
  3. Den Baumpfahl mit schwerem Hammer auf der Bockleiter stehend einschlagen.
    Etwas lockere Erde einfüllen und den Baum 15 cm vom Pfahl entfernt einsetzen, die Veredelungsstelle (kleiner Knick über den Wurzeln am Stamm) soll zuletzt eine Handbreit über dem Boden liegen.
  4. Eine Person hält nun den Stamm, während die zweite Person die feinkrümelige Erde, die aus dem unteren Bereich der Pflanzgrube stammt, einfüllt.
    Den Baum etwas rütteln, dass die eingefüllte Erde zwischen die Wurzeln kommt.
  5. Pflanztiefe richtig einstellen und Erde ein wenig verdichten (leicht antreten).
    Die von oben stammende Erde einfüllen, Gießgrube formen und Erde verdichten.
  6. Baum mit Kokosstrick gut anbinden. Abstand Stamm Pfahl (15 cm) durch Wickeln des Stricks sichern. Strick am Pfahl festnageln.
  7. Gründlich wässern (30 Liter pro Baum).
  8. Pflanzschnitt am Baum durchführen. Dazu 3 bis 4 passende Leitäste auswählen, dabei auf flachen Abgang und gleichmäßige Verteilung achten. Schlitzäste sauber entfernen. Stammverlängerung und Leitäste einkürzen und Wunden versiegeln.

Noch am selben Nachmittag sah man allüberall in den Mössingen Streuobstwiesen Bäume pflanzende Menschen – ein Bild, das in den letzten Jahren allzu selten geworden war. Woher der Pflanzer stammt, erkennt der Eingeweihte übrigens an der Form des Pflanzloches: Mössinger machen eckige Löcher, Nehrener runde.

Schlau, wer tags zuvor schon sein Loch gegraben hat.

Schlau, wer tags zuvor schon sein Loch gegraben hat.

Der Dank dafür geht an den OGV Mössingen, an das Landratsamt Tübingen, das die Aktion bezuschusste – und die Stadt Mössingen, die ebenfalls in den Stadtsäckel griff, um wieder neue Bäume in ihren einzigartigen, aber überalterten Streuobstgürtel zu bringen. Danke an alle!