Der sehr sonnige Sommer hinterlässt überall seine Spuren. Unter anderem auch beim Obst. Ob es zu früh fällt und fault, von Sonnenbrand betroffen ist oder aus anderen Gründen nicht verwertet werden kann – immer wieder werden wir von Stücklesbesitzern gefragt: „Wohin damit?“ Eines ist sicher: Restmüll ist solches Obst nicht. Aber was dann?

Wir haben die Frage ans Landratsamt weitergereicht, aber eine verbindliche schriftliche Antwort erhielten wir auch von amtlicher Seite nicht. Denn die Frage ist gar nicht so einfach wie sie klingt, bewegt sich die Antwort doch meist im sehr ungefähren Graubereich zwischen landwirtschaftlichem Anbau, Naturschutz und Abfallrecht.

Wenn solches Obst kein Restmüll ist, dann doch wohl Biomasse. Darf man es also zu einer Biogasanlage fahren, damit es dort verwertet werden kann? Nein, denn die Äpfel sind rechtlich gesehen kein Rohstoff, sondern Abfall. Darf es dann auf den Häckselplatz? Ebenfalls nein, denn „auf den Häckselplätzen in Belsen und Öschingen ist nur die Annahme von häckselfähigem Material zulässig“ (Website Stadt Mössingen), in Talheim auch Grasschnitt in haushaltsüblichen Mengen.

Darf ich das Obst auf der Wiese sammeln und einfach unter den Baum werfen? Davon raten wir dringend ab. Denn mit dem Obst sammelt man auch eventuell vorhandene Schädlinge und Krankheiten am Baum, die dann leichtes Spiel und große Freude am Baum haben. Auch Wühlmäuse, Wildschweine und andere Tiere, die den Bäumen nicht immer wohlgesonnen sind, freuen sich an dem gedeckten Tisch. Dessen Wurzeln nicht unbedingt.

Woanders hinwerfen? Dann bitte nicht zum Nachbarn. Darf ich es dann auf der Wiese liegen lassen? Im Prinzip ja, denn die naturgemäße Bestimmung von Obst ist ja das Fallen und Liegenbleiben. Liegt das Stückle in einem Schutzgebiet, dann wirkt das Liegenlassen allerdings wie eine Düngung, die man auf einer FFH-Wiese nicht unbedingt haben möchte oder sollte.

Wie man sieht, gibt es für das Problem keine allgemeingültige Lösung oder eine amtliche Regelung, an die man sich halten kann. Daher können auch wir nur auf ein altbewährtes Mittel verweisen: Alle bekannten Informationen zum Thema gegeneinander abwägen und dann den gesunden Menschenverstand benutzen.

Bild: ChatGPT