Schlagwort: Korbinian Aigner

Apfelwochen-Highlights 2025 (4) – Apfelfilm und Ausstellung

Logo der ApfelwocheBald ist es wieder soweit: Vom 28.9. bis 5.10. zeigt Mössingen, was es in Sachen Apfel drauf hat. An dieser Stelle stellen wir in loser Reihenfolge einige Highlights vor. Natürlich gibt es das Gesamtpaket wie immer auch als Programmheft (hier herunterladen).

Bereits in der Apfelwoche 2019 hatten wir ein Themenspecial „Korbinian Aigner“ mit Film, Ausstellung und Vortrag. Im April 2025 erschien nun ein neuer Film zum „Apfelpfarrer“ aus Bayern: „Ein stummer Hund will ich nicht sein“. Das Doku-Drama beleuchtet die bewegende Geschichte des Priesters Korbinian Aigner, der sich im Zweiten Weltkrieg mutig gegen die Nazis stellte, ins KZ Dachau deportiert wurde und dort als Zwangsarbeiter im „Kräutergarten“ arbeitete. Dort züchtete er heimlich neue Apfelsorten, darunter den „Korbiniansapfel“, der bis heute weltweit als Baum der Erinnerung gepflanzt wird. Der Film kombiniert Zeitzeugenberichte, dokumentarische Filmaufnahmen und Animationen im Stil einer Graphic Novel, um die unbekannte Geschichte Aigners und des grausamen „Kräutergarten“-Kommandos im KZ Dachau zu erzählen.

Korbinian Aigner war aber auch als „Apfelpfarrer“ bekannt. Seine Vorgesetzten urteilten, Aigner sei „mehr Pomologe als Theologe“. Er malte im Laufe seines Lebens Hunderte Aquarelle verschiedener Apfelsorten – eines der größten pomologischen Bildarchive, das 2012 auch auf der documenta (13) ausgestellt wurde. Ein Teil davon ist während der Apfelwoche in Dorothea Kubiks Bilder­werkstatt als Ausstellung zu sehen.

  • Lichtspiele Mössingen, Höfgasse 12
  • Apfelfreitag, 3.10., 20:15 Uhr
  • Apfelbilder von Korbinian Aigner: im Ausstellungsraum der Bilderwerkstatt in der Falltorstraße 15

Auftakt zum Korbinian-Aigner-Special

Prof. Peter J. Brenner, Aigner-Experte und Direktor des Archivs der TU München

Prof. Peter J. Brenner, Aigner-Experte und Direktor des Archivs der TU München

Eineinhalbstündige Vorträge über historische Sujets stehen selten ganz oben auf der Beliebtheitsskala montäglicher Freizeitaktivitäten. Dennoch war der Vortragsraum der Pausa-Tonnenhalle gut besucht gestern abend, als Professor Peter J. Brenner, Direktor des Archivs der TU München, den Auftakt machte zum Themenspecial der diesjährigen Apfelwoche. „Korbinian Aigner. Landpfarrer, KZ-Häftling und Obstbildermaler“ war nicht nur der Titel, sondern auch gleichsam die Inhaltsangabe seines dreigeteilten Vortrags.

Ohne Powerpoint, Beamer, Mikrofon oder Stuhl erzählte Prof. Brenner unterhaltsam, kurzweilig und spannend vom Leben des „Apfelpfarrers“ (eine Titulierung, die Aigner von sich gewiesen hätte), der vom Bauernjungen aus einem tiefkatholischen, tiefbayrischen Milieu über eine mittelerfolgreiche Studienzeit zu seiner Berufung gelangte: Einem volksnahen, bauernschlauen, schlagfertigen Landpfarrers mit einer tiefen Leidenschaft für die Pomologie.

Die zweite Leidenschaft Aigners war sein tiefverwurzelter Katholizismus, der ihn letztlich in Widerspruch mit dem ab 1933 herrschenden System brachte. Unerschrocken und unbeugsam verteidigte er seinen Glauben während der Nazizeit gegenüber den neuen Herrschenden auch öffentlich von der Kanzel. Als er sich den Mund nicht verbieten ließ, sperrten ihn in die Nazis aufgrund des „Heimtückegesetzes“ ins Gefängnis und anschließend ins Konzentrationslager Dachau.

Nahezu unbemerkt selbst von seiner unmittelbaren Umgebung gab sich Aigner noch einer dritten Leidenschaft hin: Der Malerei. Viele seiner Bilder sind verloren, denn der Nachlass katholischer Priester wurde in der Regel mangels Nachkommen einfach verbrannt. Seine Apfel- und Birnenbilder aber, die er zu Hunderten malte, vermachte Aigner vorausschauend der Technischen Universität München, die zu dieser Zeit noch Obstbau lehrte. Obschon er seine Bilder lediglich als Lehrmaterialien verstand, gingen diese – als sie schließlich als künstlerisches Kleinod entdeckt wurden – einen eigenen, von Aigner gar nicht beabsichtigten Weg, der sie 2012 bis zur documenta brachte.

Prof. Brenner referierte (übrigens: an seinem letzten Arbeitstag vor der Pensionierung!) vor einer Auswahl der Aignerschen Bilder, die vom Netzwerkler Uli Eder zu einer liebevoll gemachten kleinen Ausstellung zusammengeführt wurde. Diese Ausstellung ist in der Apfelwoche noch ein zweites Mal zu sehen, nämlich in den Mössinger Lichtspielen am Freitagabend. Hier wird um 20.15 Uhr der zweite Teil des Themenspecials gezeigt, der Dokumentarfilm „Korbinian Aigner. Ein bayerischer Dorfpfarrer zwischen Obstbau und Hochverrat“. Dieser Film kann dort übrigens zum Preis von 14 Euro auch erworben werden.

Gut besucht: Der Vortragsraum der Pausa-Tonnenhalle

Gut besucht: Der Vortragsraum der Pausa-Tonnenhalle

Netzwerk Streuobst Mössingen e.V.
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