Ausmisteln!

Die Laubholzmistel (viscum album) breitet sich in den letzten Jahren immer mehr aus und stellt für die ohnehin rückläufigen Streuobstbestände eine zunehmende Gefahr dar. Auf vielen ungepflegten Streuobstwiesen haben sich die Misteln schon so breit gemacht, dass auch gut gepflegte Nachbarwiesen in Mitleidenschaft gezogen und mittlerweile sogar Jungbäume angegriffen werden. Das Netzwerk Streuobst Mössingen arbeitet derzeit an einer Initiative zur Bekämpfung der Mistel in den Mössinger Streuobstwiesen. Dabei soll zunächst über das Problem informiert werden. Hier finden Sie häufig gestellte Fragen und Antworten dazu. Unten finden Sie weitere Informationen.

Von Misteln befallener Baum (Bild: Jannik Deibler)

Von Misteln befallener Baum (Bild: Jannik Deibler)

Stehen Misteln unter Naturschutz?
Nein. Viele meinen, dass die Mistel unter Naturschutz steht. Dies ist aber nicht richtig. Für private Zwecke darf die Mistel gepflückt werden, ein gewerbsmäßiges Sammeln bedarf jedoch einer behördlichen Genehmigung.

Wie verbreitet sich die Mistel?
Die Vögel essen die weißen Beeren der Mistel. Weil das Fruchtfleisch sehr klebrig ist, müssen sich die ­Vögel immer wieder den Schnabel an Ästen abputzen. Dabei gelangt der Mistelsamen an den Baumes. Zudem sind die Mistelsamen mit einer unverdaulichen Schale umgeben und die Vögel geben es mit ihrem Kot an umliegende Bäume weiter. Von Misteln, die sich schon in der Baumkrone befinden, können zudem Beeren herabfallen und auf tiefer stehenden Ästen kleben bleiben.

Welches sind die Lieblingsbäume der Mistel?
Die am häufigsten befallenen Bäume der Mistel sind Apfelbäume, Pappeln, Weiden, Birken und Linden. Immer häufiger sieht man die Mistel auch auf weiteren Baumarten. Birnen‑, Kirsch‑, Zwetschgen‑ oder Walnussbäume werden in der Regel nicht befallen.

Kann ein Baum durch Misteln absterben?
Ja. Die Mistel ist ein sogenannter Halbschmarotzer und betreibt eigenständig Photosynthese. Dem Wirtsbaum werden dabei aber Wasser und Nährstoffe entzogen. Er wird dadurch geschwächt und kann absterben. Deshalb gilt es, frühzeitig die Mistel aus dem Baum zu entfernen.

Wie kann die Mistel entfernt werden?
Ausgehend von der befallenen Stelle sollte der Ast ungefähr 30 cm von der Mistel entfernt am gesunden Holz abgesägt werden. An der Schnittstelle sollten keine Versorgung­stränge der Mistel mehr sein. Ist ein komplettes Absägen des befallenen Astes nicht möglich, ist die Mistel an ihrem Ansatz abzusägen. Die Versorgungsstränge der Mistel werden dadurch nicht entfernt, aber durch eine jährliche Kontrolle und Entfernung der Triebe kann die Fruchtbildung und Verbreitung der Mistel verhindert werden.

Wo erhalte ich weitere Informationen?
Wir empfehlen das sehr gute und umfangreiche Informationsblatt des NABU: „Misteln in Streuobstbeständen

Wie kann ich die vorliegenden Informationen weitergeben?
Dieses PDF (889 KB) ausdrucken oder per Link verschicken.

Weitere Quellen
https://www.nabu.de/news/2017/02/22045.html
https://www.bund-hessen.de/arten-entdecken/mistel/
https://www.mirkofranz.de/obstbaumschnitt/mistelproblematik.html
https://www.helpster.de/mistel-und-naturschutz-so-verhalten-sie-sich-richtig_94394

Drei von Misteln befallene Bäume im Steinlachtal

„Mistelschleudern“ im Steinlachtal

Schreibe einen Kommentar