Kategorie-Archiv: Streuobst allgemein

Kirschen zum Selbsternten

Dieses Jahr findet kein Kirschenverkauf der Stadt Mössingen statt. (aus den Stadtnachrichten)

In den Kirschenanlagen in Belsen, Brunnentröge und Bavendorf (Alter Morgen) dürfen die Kirschen auf eigenes Risiko selbst geerntet werden. Eine Leiter ist erforderlich. Die Stadt bittet bei der Ernte mit den Bäumen schonend umzugehen. Die Kirschen wurden nicht gespritzt.

Mössinger Kirschen

Mössinger Kirschen

Die Kirschenanlage Bavendorf ist umzäunt und wird am Eingang mit einem rot-weißen Flatterband markiert. Die Kirschenanlage Brunnentröge wird abschnittsweise durch Pfosten mit einem rot-weißen Flatterband gekennzeichnet. Die Stadtverwaltung bittet die Bürgerinnen und Bürger nur innerhalb dieser so gekennzeichneten städtischen Flächen die Kirschen zu ernten.

Die Stadt erlaubt die Kirschenernte ausschließlich auf diesen Flächen, um das versehentliche Abernten auf Privatgrundstücken zu vermeiden.

In der oberen und unteren Anlage auf der Olgahöhe in Mössingen dürfen keine Kirschen gepflückt werden, da momentan die Bäume mit alten Sorten kartiert und bestimmt werden.

Weitere Auskünfte erteilt Frau Wels bei der Stadtverwaltung. Das Telefon ist Montag, Dienstag und Donnerstag nachmittags sowie Mittwoch und Freitag vormittags besetzt unter Telefon 07473/370-337.

Streuobst ist immaterielles Kulturerebe

Streuobstäpfel

Der Streuobstanbau ist in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Den Beschluss der Kulturministerkonferenz begründete Kunststaatssekretärin Petra Olschowski wie folgt: „Dem Streuobstanbau kommt als Kulturform mit einem breiten Repertoire an traditionellen Praktiken und Wissen, das auch immer wieder neue Einflüsse aufnimmt, große Bedeutung zu.“ Mit mehr als 100.000 Hektar Streuobstwiesen verfüge Baden-Württemberg zudem europaweit über die bedeutendsten Streuobstbestände. „Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa und sind wertvolles Gen-Reservoir für rund 3.000 Obstsorten. Streuobstwiesen sind auch touristisch attraktive Kulturlandschaften, die das baden-württembergische Landschaftsbild prägen“, sagte Olschowski.

Herzlichen Glückwunsch, Streuobst!

Weitere Links:
unesco.de
baden-wuerttemberg.de
hochstamm-deutschland.de

Streuobstumfrage

Teitelbild große StreuobstumfrageOrganic Tools ist ein junges Unternehmen aus Österreich, das mächtig Wind macht. Angefangen hat das Startup mit der Entwicklung der Obstraupe – einer Obsterntemaschine, die es natürlich auch bei „Schaff’s gut“ auszuleihen gibt. Organic Tools entwickelt die Obstraupe permanent weiter und hat mittlerweile auch einen dazu passenden Sortiertisch im Angebot.

Aber die Jungunternehmer machen sich auch Gedanken über ihre Kunden. Mit welchen Schwierigkeiten haben diese zu kämpfen? Wo benötigen sie Unterstützung? Welche Informationen helfen weiter? Gemeinsam mit der FH Oberöstereich hat Organic Tools eine „große Streuobstumfrage“ durchgeführt, um bessere Daten über den Zustand der Streuobstwiesen, das Preisniveau des Obstes, zu Fördermaßnahmen, Infrastruktur oder auch Weiterbildungsmöglichkeiten zu erhalten. Befragt wurden Bewirtschafter:innen, Verarbeitende, Menschen in der Baumpflege, Vereine und viele andere – sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Heraus kam eine 39-seitige Studie, die die Erkenntnisse der Umfrage zusammenfasst.

Studie „Die große Streuobstumfrage 2020“ (PDF, 1.030 KB)
Website von Organic Tools

Streuobstbaumschnittroboter

Ja, ist denn heute schon Zukunft? An der Universität Hohenheim schon fast. Denn dort wird derzeit an einem Roboter gebastelt, der irgendwann einmal selbsttätig Bäume schneiden soll. Was visionär klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn viele Streuobstbäume werden heute nicht mehr gepflegt. Dabei ist ein regelmäßiger Schnitt die Grundvoraussetzung für ein langes Leben der Kulturpflanzen.

Dr. David Reiser vom Institut für Agrartechnik beschäftigt sich mit der Entwicklung eines autonomen Roboters, der in Zukunft den Baumschnitt weitgehend selbstständig übernehmen soll. Der fahrbare Roboter hat einen in verschiedene Richtungen beweglichen Arm, an dem ein Hochentaster montiert ist. So kann die Mini-Kettensäge an die richtige Position gefahren werden. Ein Video demonstriert das Verfahren:

Wo die richtige Position ist? Das ist schon seit Hunderten von Jahren eine gute Frage. Denn es gibt unterschiedlichste Schnitttechniken. Und so kann man vielleicht schon in wenigen Jahren Schnittroboter durch die Mössinger Streuobstwiesen fahren sehen, die dann paarweise unter einem Baum stehenbleiben, um den „Baum zu diskutieren“. Wie dies schon seit Generationen von den Streuobstwiesenbewirtschaftern gemacht wird. Nun aber mit künstlicher Intelligenz.

Weitere Infos zum Projekt der Uni Hohenheim
zum Video

Reutlinger Projekt: Alte Sorten erhalten

Mit der Broschüre „Die Vielfalt unserer Obstsorten“ ist jetzt ein kleiner Schlussstrich unter das Sortenerhaltungsprojekt des Kreisobstbauverbandes im Landkreis Reutlingen und der Grünflächenberatungsstelle im Landratsamtes Reutlingen gezogen worden. Im Jahr 2015 war der Startschuss und insgesamt 800 Obstwiesen Besitzerinnen und Besitzer meldeten 5.177 Bäume. Dabei kamen 461 Sorten Äpfel, Kirschen, Birnen und Zwetschgen zum Vorschein. Knapp 30 davon, von denen es weniger als drei bekannte Bäume gibt, wurden als sichererungswürdig eingestuft.

Broschüre "Die Vielfalt unserer Streubostwiesen"

In der Broschüre werden speziell die Sorten vorgestellt, die im Sortenerhaltungsgarten gesichert wurden und von hier aus auch wieder vermehrt werden sollen. So dass das kulturelle Erbe der Sorten und ihrer Nutzung auch in Zukunft wertgeschätzt werden kann. Zu finden sind in der Broschüre seltene lokale Sorten wie Aglishardter Kalvill, Fetzerapfel, Christiansapfel, Bastlespafel oder Betzelsbirne, jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung.

Die Broschüre ist in der Geschäftsstelle des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine im Landratsamt, Kreisamt für nachhaltige Entwicklung, Haydnstr. 5-7 in Reutlingen, E-Mail: gruenflaechenberatung@kreis-reutlingen.de für eine Schutzgebühr von 2 Euro erhältlich.

Bericht zum Projekt unter swp.de (Südwest Presse online)

Hessische Fördergelder gegen Misteln

"Mistelschleudern" bei Gomaringen

„Mistelschleudern“ bei Gomaringen

Misteln sind nicht nur hierzulande ein ernstzunehmendes Problem. Wie sich der Frankfurter Rundschau entnehmen lässt, haben auch hessische Streuobstaktive die Bekämpfung des Schmarotzers auf die Agenda gesetzt. Unterstützt werden sie dabei vom hessischen Umweltministerium, denn dieses finanziert die Entfernung der Misteln mit Fördergeldern. Wäre das nicht auch in Baden-Württemberg denkbar?

Direkt zum Beitrag in der FR

Unser „Nein“ zur Endelbergtrasse – jetzt ausführlich

Der Endelberg, von Nehren aus gesehen. Durch diese Streuobstwiesen wird ein 12 Meter tiefer Einschnitt führen.

Der Endelberg, von Nehren aus gesehen. Durch diese Streuobstwiesen wird ein 12 Meter tiefer Einschnitt führen.

Die Bundesstraße 27 zwischen Stuttgart und Balingen ist laut Industrie- und Handelskammer (IHK) die „Lebensader der Region Neckar-Alb“. Nach jahrzehntelanger Bautätigkeit soll nun das vorletzte Nadelöhr auf dieser Strecke beseitigt werden. Die Endelbergtrasse soll die B27 auf vier Spuren um Ofterdingen herum führen. Damit wird ein Plan vollendet, der in sich logisch klingt, aber einen gravierenden Fehler hat: Er stammt aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und geht von damals gültigen Vorstellungen aus. Die aber haben sich geändert:

Heute hat der Naturschutz einen anderen Stellenwert.
Wir haben erkannt, dass jeder Eingriff in die Natur schwerwiegende Konsequenzen hat. Wir wissen, dass Ausgleichsmaßnahmen nur bedingt funktionieren. Wir wissen, dass solche Eingriffe minimiert werden müssen.
Genau deshalb sind in den Planungsunterlagen zur Endelbergtrasse umfangreiche umweltfachliche Untersuchungen zu finden. Sie kommen klar und deutlich zu dem Schluss, dass genau diese Trasse aus Umweltgesichtspunkten die schlechteste ist.

Heute wird Verkehr neu gedacht.
Schon in zehn Jahren wird sich der Verkehr nach und nach verringern. Der motorisierte Individualverkehr nimmt ab, wenn Radschnellwege gebaut werden. E-Bikes erlauben einen größeren Pendlerradius. Neue digitale Vernetzungskonzepte ermöglichen intelligentes Carsharing und Mitfahrmöglichkeiten. Der jahrelang vernachlässigte und rückgebaute Schienenverkehr gewinnt wieder an Bedeutung.
Genau deshalb entsteht derzeit die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Sie verbindet die Städte und Gemeinden der Region als zukunftsfähiges Mobilitätsangebot mit umsteigefreien ÖPNV-Verbindungen und einem dichten Taktverkehr. Die Straßen werden entlastet, die Pendler gelangen entspannt direkt zur Arbeit.

Heute leben wir in einer digitalisierten Gesellschaft.
Die weltweite Vernetzung durch das Internet bietet neue Möglichkeiten für Industrie 4.0, Homeoffice und z.B. auch flexible Arbeitszeitmodelle. Man muss nicht zu jedem Meeting fahren, nicht jeden Tag oder zur gleichen Zeit zur Arbeit pendeln. Die Corona-Pandemie hat im Brennglasmodus gezeigt, wozu eine digitalisierte Gesellschaft fähig ist.
Genau deshalb monieren Bürgermeister und andere Politiker der Region seit Jahren den schleppenden Breitbandausbau der Bundesregierung. Wäre es nicht besser, das Geld hierin zu investieren statt in bald nicht mehr benötigte Straßen?

Heute denken die Bürgerinnen und Bürger anders.
Bei Wahlen sind Umwelt- und Klimaschutzthemen wichtiger denn je. Die Erderwärmung ist nicht mehr wegzudiskutieren. Kinder und Jugendliche bangen um die Zukunft der Erde und fordern von den Erwachsenen schnelles und gezieltes Handeln. Doch selbst umweltbewusste Menschen wählen notgedrungen den Weg, der am nächsten liegt.
Genau deshalb sollten Radwege und der Schienenverkehr ausgebaut und mit anderen Mobilitätslösungen intelligent vernetzt werden. Es gibt hierfür schon jetzt tolle Konzepte – auch für den ländlichen Raum. Selbst ein so lang geplantes Projekt wie die Umfahrung Ofterdingens muss nicht auf Biegen und Brechen umgesetzt werden. Die Menschen sind bereit für neue Wege.

Heute können wir nicht mehr mit Konzepten aus dem vergangenen Jahrhundert arbeiten.
Die Europäische Union, die Bundesregierung, auch Wirtschaftsvertreter wiederholen es unablässig: Wir wollen nachhaltig planen, wirtschaften und arbeiten. Wir wollen Rücksicht auf die Natur nehmen. Wir wollen keine weiteren Flächen verbrauchen oder versiegeln. Wir wollen den Klimawandel stoppen. Wir wollen global denken und lokal handeln.
Genau deshalb müssen wir jetzt neue Konzepte denken und umsetzen. 110 Millionen Euro kostet die Endelbergtrasse – vorausgesetzt, die alten Kostenberechnungen stimmen überhaupt noch. Mit sehr viel weniger Geld ließe sich eine Ofterdinger Durchfahrt entwickeln, die modellhaft auch für andere Kommunen zeigt, wie sich eine solche Verkehrssituation umwelt- und menschenverträglich umsetzen ließe. Wir stehen an einem Wendepunkt, der Ofterdingen zum Symbol werden lässt. Entweder für eine rückwärtsgewandte Verkehrspolitik. Oder für den Start in eine neue Mobilitätswelt.

Der Vereinszweck des Netzwerks Streuobst Mössingen ist laut seiner Satzung „der Schutz, der Erhalt und die Förderung der Kulturlandschaft Streuobstwiese“. Ein Projekt wie die Endelbergtrasse widerspricht nicht nur diesen Zielen in eklatanter Weise, sondern auch anderen, die damit eng verbunden sind, seien es Naturschutz, Biodiversität, Klimaschutz oder auch Regionalität.

Das Netzwerk Streuobst Mössingen e.V. spricht sich daher gegen die Endelbergtrasse aus.

Unsere Einwände im Detail

B27-Kollateralschaden

Schwäbisches Tagblatt vom 26.9.2020

Schwäbisches Tagblatt vom 26.9.2020

Auch wenn man den Artikel dreimal liest, tut man sich schwer, ihn zu verstehen:

Weil die B27 vierspurig um Ofterdingen geleitet werden soll, muss ein 83-Jähriger Ofterdinger die Obstwiese hergeben, die er von seinem Vater geerbt hat. Aber nicht, weil auf seinem Stückle die Endelbergtrasse gebaut werden soll, sondern weil das Regierungspräsidium Ausgleichsflächen für das flächenfressende Straßenprojekt benötigt.

Wer es versteht, darf dies bitte in den Kommentaren unten erklären.
Wer es nicht versteht, darf in den Kommentaren unten gerne Unmut äußern.