Kategorie-Archiv: Streuobst allgemein

Obstdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt

Mundraub-Schild des Schwäbisches StreuobstparadiesesFrüher gab es im Schwäbischen den Brauch, dass ab einem bestimmten Datum nicht abgeerntete Früchte auf den Äckern und Wiesen eingesammelt werden durften. Das so genannte „Afterbergen“ gestattete es armen und bedürftigen Leuten, nach der Ernte auch auf fremdem Eigentum Früchte mitzunehmen. Dies ist aber aus gutem Grund schon lange nicht mehr erlaubt.

In der Bevölkerung hält sich auch hartnäckig die Ansicht, dass „Mundraub“, also das Mitnehmen einzelner Früchte für den direkten Verzehr, ein Kavaliersdelikt sei. Im deutschen Strafrecht ist der Begriff aber schon seit 50 Jahren abgeschafft. Damit ist es ein Diebstahl wie jeder andere auch.

Dennoch scheint es so, als häuften sich mittlerweile die Fälle von Obstdiebstahl – auch in Mössingen. In der letzten Woche erwischte es gleich drei Mitglieder des Netzwerks Streuobst. Hier auszugsweise der Mailwechsel dazu:

29. Oktober, 17:06 Uhr

„Frust! Ich war gerade auf unserer Wiese und der von meiner Kollegin nebendran. Letzte Woche hingen die beiden Bäume noch schön voller Schweizer Wasserbirnen und heute? Alles abgeerntet! Und nicht nur die Birnen, sondern auch die restlichen Äpfel. Rundherum schön platt getreten und Äste abgeknickt. Zum Glück haben wir dieses Jahr schon Saft gemostet.“

29. Oktober, 19:14 Uhr

„Dem kann ich mich anschließen. Auch uns wurde ein Apfel-Baum komplett abgeerntet. Brettacher, den ich vor 12 Jahren gepflanzt habe und der dieses Jahr zum ersten Mal richtig getragen hatte.“

30. Oktober, 9:32 Uhr

„Uns wurden auch einfach 2 Bäume abgeerntet, waren kleinere Bäume, aber trotzdem … Das Schild, das man beim Streuobstparadies bestellen kann, haben wir jetzt aufgehängt, aber ich finde es eigentlich gar nicht so gut. Zu viel Text und da geht’s hauptsächlich um Mundraub. Ich hab ja nichts dagegen, wenn man sich mal bissle bedient, sollen die Leute ruhig machen, aber gleich ganze Bäume abernten ist was anderes.“

Obstdiebstahl ist für die Bewirtschafter:innen von Streuobstwiesen extrem frustrierend, weil man wortwörtlich um die Früchte der Arbeit gebracht wird.
Und eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Städtisches Obst für alle!

Die Stadt Mössingen hat selbst jede Menge Obst, kann das aber leider selbst nicht verwerten. Die Bürgerinnen und Bürger hingegen können:

Äpfel-Verkauf
Wer Interesse an leckeren Äpfel aus heimischen Streuobstwiesen hat, kann selbst welches ernten. Der Verkauf der Äpfel aus den städtischen Streuobstwiesen wird nach Anmeldung bei der Liegenschaftsverwaltung und, falls notwendig, nach Terminabsprache direkt auf den Wiesen durchgeführt. Einfach bei Annette Deininger, Telefon 07473 / 370-341 oder Celine Wels, Telefon 07473 / 370-337 melden. Die Bestellungen werden nach Eingang gelistet und bearbeitet. Solange Obst vorhanden ist!
Offizielle Stadtmitteilung: Städtischer Obstverkauf mit Anmeldung

Zwetschgen: kostenlos!
Unterhalb der Olgahöhe können Zwetschgen kostenlos – klar auf eigenes Risiko – aufgesammelt werden. Die Fläche ist in einem Lageplan grau markiert und vor Ort mit vier Eckbäumen mit rot-weißem Flatterband gekennzeichnet.
Offizielle Stadtmitteilung: Zwetschgen kostenlos!

Kirschen zum Selbsternten

Dieses Jahr findet kein Kirschenverkauf der Stadt Mössingen statt. (aus den Stadtnachrichten)

In den Kirschenanlagen in Belsen, Brunnentröge und Bavendorf (Alter Morgen) dürfen die Kirschen auf eigenes Risiko selbst geerntet werden. Eine Leiter ist erforderlich. Die Stadt bittet bei der Ernte mit den Bäumen schonend umzugehen. Die Kirschen wurden nicht gespritzt.

Mössinger Kirschen

Mössinger Kirschen

Die Kirschenanlage Bavendorf ist umzäunt und wird am Eingang mit einem rot-weißen Flatterband markiert. Die Kirschenanlage Brunnentröge wird abschnittsweise durch Pfosten mit einem rot-weißen Flatterband gekennzeichnet. Die Stadtverwaltung bittet die Bürgerinnen und Bürger nur innerhalb dieser so gekennzeichneten städtischen Flächen die Kirschen zu ernten.

Die Stadt erlaubt die Kirschenernte ausschließlich auf diesen Flächen, um das versehentliche Abernten auf Privatgrundstücken zu vermeiden.

In der oberen und unteren Anlage auf der Olgahöhe in Mössingen dürfen keine Kirschen gepflückt werden, da momentan die Bäume mit alten Sorten kartiert und bestimmt werden.

Weitere Auskünfte erteilt Frau Wels bei der Stadtverwaltung. Das Telefon ist Montag, Dienstag und Donnerstag nachmittags sowie Mittwoch und Freitag vormittags besetzt unter Telefon 07473/370-337.

Streuobst ist immaterielles Kulturerebe

Streuobstäpfel

Der Streuobstanbau ist in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Den Beschluss der Kulturministerkonferenz begründete Kunststaatssekretärin Petra Olschowski wie folgt: „Dem Streuobstanbau kommt als Kulturform mit einem breiten Repertoire an traditionellen Praktiken und Wissen, das auch immer wieder neue Einflüsse aufnimmt, große Bedeutung zu.“ Mit mehr als 100.000 Hektar Streuobstwiesen verfüge Baden-Württemberg zudem europaweit über die bedeutendsten Streuobstbestände. „Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa und sind wertvolles Gen-Reservoir für rund 3.000 Obstsorten. Streuobstwiesen sind auch touristisch attraktive Kulturlandschaften, die das baden-württembergische Landschaftsbild prägen“, sagte Olschowski.

Herzlichen Glückwunsch, Streuobst!

Weitere Links:
unesco.de
baden-wuerttemberg.de
hochstamm-deutschland.de

Streuobstumfrage

Teitelbild große StreuobstumfrageOrganic Tools ist ein junges Unternehmen aus Österreich, das mächtig Wind macht. Angefangen hat das Startup mit der Entwicklung der Obstraupe – einer Obsterntemaschine, die es natürlich auch bei „Schaff’s gut“ auszuleihen gibt. Organic Tools entwickelt die Obstraupe permanent weiter und hat mittlerweile auch einen dazu passenden Sortiertisch im Angebot.

Aber die Jungunternehmer machen sich auch Gedanken über ihre Kunden. Mit welchen Schwierigkeiten haben diese zu kämpfen? Wo benötigen sie Unterstützung? Welche Informationen helfen weiter? Gemeinsam mit der FH Oberöstereich hat Organic Tools eine „große Streuobstumfrage“ durchgeführt, um bessere Daten über den Zustand der Streuobstwiesen, das Preisniveau des Obstes, zu Fördermaßnahmen, Infrastruktur oder auch Weiterbildungsmöglichkeiten zu erhalten. Befragt wurden Bewirtschafter:innen, Verarbeitende, Menschen in der Baumpflege, Vereine und viele andere – sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Heraus kam eine 39-seitige Studie, die die Erkenntnisse der Umfrage zusammenfasst.

Studie „Die große Streuobstumfrage 2020“ (PDF, 1.030 KB)
Website von Organic Tools

Streuobstbaumschnittroboter

Ja, ist denn heute schon Zukunft? An der Universität Hohenheim schon fast. Denn dort wird derzeit an einem Roboter gebastelt, der irgendwann einmal selbsttätig Bäume schneiden soll. Was visionär klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn viele Streuobstbäume werden heute nicht mehr gepflegt. Dabei ist ein regelmäßiger Schnitt die Grundvoraussetzung für ein langes Leben der Kulturpflanzen.

Dr. David Reiser vom Institut für Agrartechnik beschäftigt sich mit der Entwicklung eines autonomen Roboters, der in Zukunft den Baumschnitt weitgehend selbstständig übernehmen soll. Der fahrbare Roboter hat einen in verschiedene Richtungen beweglichen Arm, an dem ein Hochentaster montiert ist. So kann die Mini-Kettensäge an die richtige Position gefahren werden. Ein Video demonstriert das Verfahren:

Wo die richtige Position ist? Das ist schon seit Hunderten von Jahren eine gute Frage. Denn es gibt unterschiedlichste Schnitttechniken. Und so kann man vielleicht schon in wenigen Jahren Schnittroboter durch die Mössinger Streuobstwiesen fahren sehen, die dann paarweise unter einem Baum stehenbleiben, um den „Baum zu diskutieren“. Wie dies schon seit Generationen von den Streuobstwiesenbewirtschaftern gemacht wird. Nun aber mit künstlicher Intelligenz.

Weitere Infos zum Projekt der Uni Hohenheim
zum Video

Reutlinger Projekt: Alte Sorten erhalten

Mit der Broschüre „Die Vielfalt unserer Obstsorten“ ist jetzt ein kleiner Schlussstrich unter das Sortenerhaltungsprojekt des Kreisobstbauverbandes im Landkreis Reutlingen und der Grünflächenberatungsstelle im Landratsamtes Reutlingen gezogen worden. Im Jahr 2015 war der Startschuss und insgesamt 800 Obstwiesen Besitzerinnen und Besitzer meldeten 5.177 Bäume. Dabei kamen 461 Sorten Äpfel, Kirschen, Birnen und Zwetschgen zum Vorschein. Knapp 30 davon, von denen es weniger als drei bekannte Bäume gibt, wurden als sichererungswürdig eingestuft.

Broschüre "Die Vielfalt unserer Streubostwiesen"

In der Broschüre werden speziell die Sorten vorgestellt, die im Sortenerhaltungsgarten gesichert wurden und von hier aus auch wieder vermehrt werden sollen. So dass das kulturelle Erbe der Sorten und ihrer Nutzung auch in Zukunft wertgeschätzt werden kann. Zu finden sind in der Broschüre seltene lokale Sorten wie Aglishardter Kalvill, Fetzerapfel, Christiansapfel, Bastlespafel oder Betzelsbirne, jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung.

Die Broschüre ist in der Geschäftsstelle des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine im Landratsamt, Kreisamt für nachhaltige Entwicklung, Haydnstr. 5-7 in Reutlingen, E-Mail: gruenflaechenberatung@kreis-reutlingen.de für eine Schutzgebühr von 2 Euro erhältlich.

Bericht zum Projekt unter swp.de (Südwest Presse online)