Archiv der Kategorie: Streuobst allgemein

Apfelkuchentag

Wer legt denn den Tag des Apfelkuchens auf den 13. Mai? Gerade hat man die letzten Brettacher aus dem Keller verzehrt und auf die ersten Klaräpfel muss man noch ein paar Wochen warten. Insofern ist der 13. Mai wohl der denkbar schlechteste Zeitpunkt – es sei denn man wollte Überseeware oder solche aus dem Kühlhaus verbacken. Und das muss ja wirklich nicht sein, oder? Noch schlimmer wird’s nur, wenn man sich für den Apfelkuchen einePink Lady“ aus dem Supermarkt holt. Bäh!

Fünf Äpfel der Marke "Pink Lady" in Verpackung

Die Baumscheibe macht den Unterschied

Jungbaum ohne und mit freigelegter Baumscheibe

links: konkurrierender Bodenbewuchs – rechts: gepflegte Baumscheibe

Der Profitipp für Jungbäume: Einfach die Baumscheibe von Bewuchs freihalten.
Die Entfernung des konkurrierenden Bodenbewuchses um den Stamm ist eine erstaunlich wirksame Starthilfe für den jungen Streuobstbaum. Er dankt es mit vitalem Wachstum.
Ohne gepflegte Baumscheibe vergreist nämlich der frisch gepflanzte Jungbaum, d.h. sein Neutrieb ist minimal.
Die Baumscheibe sollte drei bis vier Jahre offen gehalten und mit etwas Kompost und Dünger versorgt werden.

Jungbaum ohne und mit freigelegter Baumscheibe

links: konkurrierender Bodenbewuchs – rechts: gepflegte Baumscheibe

4 Euro Stundenlohn

Äpfelberge in Obstsilos bei der Obstannahme

Der Verein Hochstamm Deutschland ermittelt seit 2021 in einem bundesweiten Monitoring, welche Preise Safthersteller und weitere Abnehmer fürs Mostobst bezahlen. Erste Ergebnisse des Preisbarometers wurden nun veröffentlicht:

  • Die Preise lagen weit auseinander – zwischen 6 Euro und 30 Euro für den Doppelzentner konventionelles Obst.
  • Im Schnitt wurden 9,86 Euro für konventionelles Obst und 16,44 Euro für Bio-Mostobst bezahlt.

Ein Abfrageteilnehmer fasste zusammen: „Bei den aktuellen Preisen kommt man etwa auf einen Stundenlohn von 4 Euro, Nebenkosten wie Grundsteuer und Beiträge an die Berufsgenossenschaft und natürlich Benzin und Geräte nicht eingerechnet.“

Hochstamm Deutschland analysiert: „Wir haben in Deutschland eine atomistische Angebotsstruktur, das heißt viele LieferantInnen, wenige Abnehmende. Für eine stärkere Position, die auch Preisverhandlungen ermöglicht, ist ein Zusammenschluss von Erzeugenden sehr wichtig.“

Im Steinlachtal gibt es einen solchen Zusammenschluss, Obstlieferanten können ihr Obst für die „Steinlachtäler“-Produkte abgeben und erzielen so auch bessere Preise für Äpfel und Birnen. Derzeit im Angebot sind Most in zwei Varianten, Apfelsaft und -schorle sowie der Steinlachtäler Cidre.

Aber, so Hochstamm Deutschland: „Auch VerbraucherInnen sind gefragt, mit ihrem Kauf der wertvollen Produkte aus dem Streuobstbau dessen Zukunft zu stützen.“ Denn langfristig sind höhere Mostobstpreise eine wichtige Grundlage für den Erhalt der wertvollen Kulturlandschaft.

Viele Äpfel

Weitere Informationen finden sich in der Pressemitteilung von Hochstamm Deutschland.

Bildquelle: Hochstamm Deutschland

Schnittgutabfuhr 2022

Die Schnittgutabfuhr zwischen Öschingen und Mössingen Nord beginnt am Montag, 7.2. und dauert bis mindestens Sonntag, 27.2. Sollte die Witterung dies nicht zulassen, kann das Schnittgut selbstverständlich trotzdem bereitgelegt werden, die Abfuhr auf den jeweiligen Wegen wird erfolgen, sobald es technisch möglich sein wird. An den befahrbaren Wegen (siehe Karte) wird das Material aus der Obstbaumpflege zur Unterstützung der Streuobstwiesenbewirtschafter*innen abgefahren und dient damit als Beitrag zum Erhalt unserer wertvollen Kultur- und Naturlandschaft.

Luftbild des Abfuhrgebiets 2022

Entlang der gestrichelt dargestellten Wege wird das Reisig eingesammelt. Dazu sollte es von den Anrainern gut zugänglich entlang der ausgewiesenen Wege abgeladen und die anderen Bewirtschafter dadurch nicht behindert werden. Das Reisig darf vom Fahrweg aus nicht hinter den Gräben abgeladen werden, da sonst die Maschinen das Material nicht greifen können. Es darf nur holziges Material, kein Grünschnitt und keine Gartenabfälle bereitgelegt werden, da das Material geschreddert und energetisch verwertet wird. Zur Arbeitserleichterung aller Mössinger Streuobstwiesenbewirtschafter*innen werden zeitgleich die Häckselplätze Belsen und Öschingen ganztags von 8 bis 17 Uhr geöffnet sein. Zeitliche Verschiebungen werden zusätzlich über das Amtsblatt, die Website der Stadt Mössingen sowie die projektbegleitende Website (www.energiebuendel-und-flowerpower.de) bekannt gegeben.

Das Gebiet umfasst 2022 von Mössingen aus die Gewanne Schlattwiesen, Im weiten Hardt, In der Mulde, Beim Weiher, Nehrener Gäßle, Im engen Hardt und Bei der Silberburg. Entlang des Firstbergs bis nach Öschingen wird in den Gewannen Wacht, Vorlehen, Schmiedsgrund, Pfarrersgrund, Vor Hegwies, Lafen, der gesamte Firstberg bis zum Öschenbach sowie auf der Hochfläche des Firstbergs in den Gewannen Firstberg, Ob den Halden, Weidenweg und Bühl das Schnittgut abgefahren.

Die Durchführung der Maßnahme wird von der Stadt Mössingen finanziert und über den Landschaftserhaltungsverband VIELFALT e.V. mit Landesmitteln gefördert. Die Schnittgutabfuhr wird „inklusiv“ von den Grüngruppen „Streuobst und Naturschutz“ der AiS (Arbeit in Selbsthilfe) durchgeführt. Begleitend werden Biotoppflegemaßnahmen durch die Grüngruppen umgesetzt, ebenfalls im Auftrag der Stadt Mössingen und unterstützt durch VIELFALT e.V..

Logo von "Schaff's gut": Schaf auf Traktor mit Hänger voller WerkzeugeÜbrigens: Wem die richtigen Werkzeuge für den Obstbaumschnitt fehlen, der kann sich gerne an den Streuobstgeräteverleih Schaff’s gut wenden.

Obstdiebstahl ist kein Kavaliersdelikt

Mundraub-Schild des Schwäbisches StreuobstparadiesesFrüher gab es im Schwäbischen den Brauch, dass ab einem bestimmten Datum nicht abgeerntete Früchte auf den Äckern und Wiesen eingesammelt werden durften. Das so genannte „Afterbergen“ gestattete es armen und bedürftigen Leuten, nach der Ernte auch auf fremdem Eigentum Früchte mitzunehmen. Dies ist aber aus gutem Grund schon lange nicht mehr erlaubt.

In der Bevölkerung hält sich auch hartnäckig die Ansicht, dass „Mundraub“, also das Mitnehmen einzelner Früchte für den direkten Verzehr, ein Kavaliersdelikt sei. Im deutschen Strafrecht ist der Begriff aber schon seit 50 Jahren abgeschafft. Damit ist es ein Diebstahl wie jeder andere auch.

Dennoch scheint es so, als häuften sich mittlerweile die Fälle von Obstdiebstahl – auch in Mössingen. In der letzten Woche erwischte es gleich drei Mitglieder des Netzwerks Streuobst. Hier auszugsweise der Mailwechsel dazu:

29. Oktober, 17:06 Uhr

„Frust! Ich war gerade auf unserer Wiese und der von meiner Kollegin nebendran. Letzte Woche hingen die beiden Bäume noch schön voller Schweizer Wasserbirnen und heute? Alles abgeerntet! Und nicht nur die Birnen, sondern auch die restlichen Äpfel. Rundherum schön platt getreten und Äste abgeknickt. Zum Glück haben wir dieses Jahr schon Saft gemostet.“

29. Oktober, 19:14 Uhr

„Dem kann ich mich anschließen. Auch uns wurde ein Apfel-Baum komplett abgeerntet. Brettacher, den ich vor 12 Jahren gepflanzt habe und der dieses Jahr zum ersten Mal richtig getragen hatte.“

30. Oktober, 9:32 Uhr

„Uns wurden auch einfach 2 Bäume abgeerntet, waren kleinere Bäume, aber trotzdem … Das Schild, das man beim Streuobstparadies bestellen kann, haben wir jetzt aufgehängt, aber ich finde es eigentlich gar nicht so gut. Zu viel Text und da geht’s hauptsächlich um Mundraub. Ich hab ja nichts dagegen, wenn man sich mal bissle bedient, sollen die Leute ruhig machen, aber gleich ganze Bäume abernten ist was anderes.“

Obstdiebstahl ist für die Bewirtschafter:innen von Streuobstwiesen extrem frustrierend, weil man wortwörtlich um die Früchte der Arbeit gebracht wird.
Und eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden kann.

Städtisches Obst für alle!

Die Stadt Mössingen hat selbst jede Menge Obst, kann das aber leider selbst nicht verwerten. Die Bürgerinnen und Bürger hingegen können:

Äpfel-Verkauf
Wer Interesse an leckeren Äpfel aus heimischen Streuobstwiesen hat, kann selbst welches ernten. Der Verkauf der Äpfel aus den städtischen Streuobstwiesen wird nach Anmeldung bei der Liegenschaftsverwaltung und, falls notwendig, nach Terminabsprache direkt auf den Wiesen durchgeführt. Einfach bei Annette Deininger, Telefon 07473 / 370-341 oder Celine Wels, Telefon 07473 / 370-337 melden. Die Bestellungen werden nach Eingang gelistet und bearbeitet. Solange Obst vorhanden ist!
Offizielle Stadtmitteilung: Städtischer Obstverkauf mit Anmeldung

Zwetschgen: kostenlos!
Unterhalb der Olgahöhe können Zwetschgen kostenlos – klar auf eigenes Risiko – aufgesammelt werden. Die Fläche ist in einem Lageplan grau markiert und vor Ort mit vier Eckbäumen mit rot-weißem Flatterband gekennzeichnet.
Offizielle Stadtmitteilung: Zwetschgen kostenlos!

Kirschen zum Selbsternten

Dieses Jahr findet kein Kirschenverkauf der Stadt Mössingen statt. (aus den Stadtnachrichten)

In den Kirschenanlagen in Belsen, Brunnentröge und Bavendorf (Alter Morgen) dürfen die Kirschen auf eigenes Risiko selbst geerntet werden. Eine Leiter ist erforderlich. Die Stadt bittet bei der Ernte mit den Bäumen schonend umzugehen. Die Kirschen wurden nicht gespritzt.

Mössinger Kirschen

Mössinger Kirschen

Die Kirschenanlage Bavendorf ist umzäunt und wird am Eingang mit einem rot-weißen Flatterband markiert. Die Kirschenanlage Brunnentröge wird abschnittsweise durch Pfosten mit einem rot-weißen Flatterband gekennzeichnet. Die Stadtverwaltung bittet die Bürgerinnen und Bürger nur innerhalb dieser so gekennzeichneten städtischen Flächen die Kirschen zu ernten.

Die Stadt erlaubt die Kirschenernte ausschließlich auf diesen Flächen, um das versehentliche Abernten auf Privatgrundstücken zu vermeiden.

In der oberen und unteren Anlage auf der Olgahöhe in Mössingen dürfen keine Kirschen gepflückt werden, da momentan die Bäume mit alten Sorten kartiert und bestimmt werden.

Weitere Auskünfte erteilt Frau Wels bei der Stadtverwaltung. Das Telefon ist Montag, Dienstag und Donnerstag nachmittags sowie Mittwoch und Freitag vormittags besetzt unter Telefon 07473/370-337.

Streuobst ist immaterielles Kulturerebe

Streuobstäpfel

Der Streuobstanbau ist in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Den Beschluss der Kulturministerkonferenz begründete Kunststaatssekretärin Petra Olschowski wie folgt: „Dem Streuobstanbau kommt als Kulturform mit einem breiten Repertoire an traditionellen Praktiken und Wissen, das auch immer wieder neue Einflüsse aufnimmt, große Bedeutung zu.“ Mit mehr als 100.000 Hektar Streuobstwiesen verfüge Baden-Württemberg zudem europaweit über die bedeutendsten Streuobstbestände. „Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa und sind wertvolles Gen-Reservoir für rund 3.000 Obstsorten. Streuobstwiesen sind auch touristisch attraktive Kulturlandschaften, die das baden-württembergische Landschaftsbild prägen“, sagte Olschowski.

Herzlichen Glückwunsch, Streuobst!

Weitere Links:
unesco.de
baden-wuerttemberg.de
hochstamm-deutschland.de