Kategorie-Archiv: Streuobst allgemein

Reutlinger Projekt: Alte Sorten erhalten

Mit der Broschüre „Die Vielfalt unserer Obstsorten“ ist jetzt ein kleiner Schlussstrich unter das Sortenerhaltungsprojekt des Kreisobstbauverbandes im Landkreis Reutlingen und der Grünflächenberatungsstelle im Landratsamtes Reutlingen gezogen worden. Im Jahr 2015 war der Startschuss und insgesamt 800 Obstwiesen Besitzerinnen und Besitzer meldeten 5.177 Bäume. Dabei kamen 461 Sorten Äpfel, Kirschen, Birnen und Zwetschgen zum Vorschein. Knapp 30 davon, von denen es weniger als drei bekannte Bäume gibt, wurden als sichererungswürdig eingestuft.

Broschüre "Die Vielfalt unserer Streubostwiesen"

In der Broschüre werden speziell die Sorten vorgestellt, die im Sortenerhaltungsgarten gesichert wurden und von hier aus auch wieder vermehrt werden sollen. So dass das kulturelle Erbe der Sorten und ihrer Nutzung auch in Zukunft wertgeschätzt werden kann. Zu finden sind in der Broschüre seltene lokale Sorten wie Aglishardter Kalvill, Fetzerapfel, Christiansapfel, Bastlespafel oder Betzelsbirne, jeweils mit einer ausführlichen Beschreibung.

Die Broschüre ist in der Geschäftsstelle des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine im Landratsamt, Kreisamt für nachhaltige Entwicklung, Haydnstr. 5-7 in Reutlingen, E-Mail: gruenflaechenberatung@kreis-reutlingen.de für eine Schutzgebühr von 2 Euro erhältlich.

Bericht zum Projekt unter swp.de (Südwest Presse online)

Hessische Fördergelder gegen Misteln

"Mistelschleudern" bei Gomaringen

„Mistelschleudern“ bei Gomaringen

Misteln sind nicht nur hierzulande ein ernstzunehmendes Problem. Wie sich der Frankfurter Rundschau entnehmen lässt, haben auch hessische Streuobstaktive die Bekämpfung des Schmarotzers auf die Agenda gesetzt. Unterstützt werden sie dabei vom hessischen Umweltministerium, denn dieses finanziert die Entfernung der Misteln mit Fördergeldern. Wäre das nicht auch in Baden-Württemberg denkbar?

Direkt zum Beitrag in der FR

Unser „Nein“ zur Endelbergtrasse – jetzt ausführlich

Der Endelberg, von Nehren aus gesehen. Durch diese Streuobstwiesen wird ein 12 Meter tiefer Einschnitt führen.

Der Endelberg, von Nehren aus gesehen. Durch diese Streuobstwiesen wird ein 12 Meter tiefer Einschnitt führen.

Die Bundesstraße 27 zwischen Stuttgart und Balingen ist laut Industrie- und Handelskammer (IHK) die „Lebensader der Region Neckar-Alb“. Nach jahrzehntelanger Bautätigkeit soll nun das vorletzte Nadelöhr auf dieser Strecke beseitigt werden. Die Endelbergtrasse soll die B27 auf vier Spuren um Ofterdingen herum führen. Damit wird ein Plan vollendet, der in sich logisch klingt, aber einen gravierenden Fehler hat: Er stammt aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und geht von damals gültigen Vorstellungen aus. Die aber haben sich geändert:

Heute hat der Naturschutz einen anderen Stellenwert.
Wir haben erkannt, dass jeder Eingriff in die Natur schwerwiegende Konsequenzen hat. Wir wissen, dass Ausgleichsmaßnahmen nur bedingt funktionieren. Wir wissen, dass solche Eingriffe minimiert werden müssen.
Genau deshalb sind in den Planungsunterlagen zur Endelbergtrasse umfangreiche umweltfachliche Untersuchungen zu finden. Sie kommen klar und deutlich zu dem Schluss, dass genau diese Trasse aus Umweltgesichtspunkten die schlechteste ist.

Heute wird Verkehr neu gedacht.
Schon in zehn Jahren wird sich der Verkehr nach und nach verringern. Der motorisierte Individualverkehr nimmt ab, wenn Radschnellwege gebaut werden. E-Bikes erlauben einen größeren Pendlerradius. Neue digitale Vernetzungskonzepte ermöglichen intelligentes Carsharing und Mitfahrmöglichkeiten. Der jahrelang vernachlässigte und rückgebaute Schienenverkehr gewinnt wieder an Bedeutung.
Genau deshalb entsteht derzeit die Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Sie verbindet die Städte und Gemeinden der Region als zukunftsfähiges Mobilitätsangebot mit umsteigefreien ÖPNV-Verbindungen und einem dichten Taktverkehr. Die Straßen werden entlastet, die Pendler gelangen entspannt direkt zur Arbeit.

Heute leben wir in einer digitalisierten Gesellschaft.
Die weltweite Vernetzung durch das Internet bietet neue Möglichkeiten für Industrie 4.0, Homeoffice und z.B. auch flexible Arbeitszeitmodelle. Man muss nicht zu jedem Meeting fahren, nicht jeden Tag oder zur gleichen Zeit zur Arbeit pendeln. Die Corona-Pandemie hat im Brennglasmodus gezeigt, wozu eine digitalisierte Gesellschaft fähig ist.
Genau deshalb monieren Bürgermeister und andere Politiker der Region seit Jahren den schleppenden Breitbandausbau der Bundesregierung. Wäre es nicht besser, das Geld hierin zu investieren statt in bald nicht mehr benötigte Straßen?

Heute denken die Bürgerinnen und Bürger anders.
Bei Wahlen sind Umwelt- und Klimaschutzthemen wichtiger denn je. Die Erderwärmung ist nicht mehr wegzudiskutieren. Kinder und Jugendliche bangen um die Zukunft der Erde und fordern von den Erwachsenen schnelles und gezieltes Handeln. Doch selbst umweltbewusste Menschen wählen notgedrungen den Weg, der am nächsten liegt.
Genau deshalb sollten Radwege und der Schienenverkehr ausgebaut und mit anderen Mobilitätslösungen intelligent vernetzt werden. Es gibt hierfür schon jetzt tolle Konzepte – auch für den ländlichen Raum. Selbst ein so lang geplantes Projekt wie die Umfahrung Ofterdingens muss nicht auf Biegen und Brechen umgesetzt werden. Die Menschen sind bereit für neue Wege.

Heute können wir nicht mehr mit Konzepten aus dem vergangenen Jahrhundert arbeiten.
Die Europäische Union, die Bundesregierung, auch Wirtschaftsvertreter wiederholen es unablässig: Wir wollen nachhaltig planen, wirtschaften und arbeiten. Wir wollen Rücksicht auf die Natur nehmen. Wir wollen keine weiteren Flächen verbrauchen oder versiegeln. Wir wollen den Klimawandel stoppen. Wir wollen global denken und lokal handeln.
Genau deshalb müssen wir jetzt neue Konzepte denken und umsetzen. 110 Millionen Euro kostet die Endelbergtrasse – vorausgesetzt, die alten Kostenberechnungen stimmen überhaupt noch. Mit sehr viel weniger Geld ließe sich eine Ofterdinger Durchfahrt entwickeln, die modellhaft auch für andere Kommunen zeigt, wie sich eine solche Verkehrssituation umwelt- und menschenverträglich umsetzen ließe. Wir stehen an einem Wendepunkt, der Ofterdingen zum Symbol werden lässt. Entweder für eine rückwärtsgewandte Verkehrspolitik. Oder für den Start in eine neue Mobilitätswelt.

Der Vereinszweck des Netzwerks Streuobst Mössingen ist laut seiner Satzung „der Schutz, der Erhalt und die Förderung der Kulturlandschaft Streuobstwiese“. Ein Projekt wie die Endelbergtrasse widerspricht nicht nur diesen Zielen in eklatanter Weise, sondern auch anderen, die damit eng verbunden sind, seien es Naturschutz, Biodiversität, Klimaschutz oder auch Regionalität.

Das Netzwerk Streuobst Mössingen e.V. spricht sich daher gegen die Endelbergtrasse aus.

Unsere Einwände im Detail

B27-Kollateralschaden

Schwäbisches Tagblatt vom 26.9.2020

Schwäbisches Tagblatt vom 26.9.2020

Auch wenn man den Artikel dreimal liest, tut man sich schwer, ihn zu verstehen:

Weil die B27 vierspurig um Ofterdingen geleitet werden soll, muss ein 83-Jähriger Ofterdinger die Obstwiese hergeben, die er von seinem Vater geerbt hat. Aber nicht, weil auf seinem Stückle die Endelbergtrasse gebaut werden soll, sondern weil das Regierungspräsidium Ausgleichsflächen für das flächenfressende Straßenprojekt benötigt.

Wer es versteht, darf dies bitte in den Kommentaren unten erklären.
Wer es nicht versteht, darf in den Kommentaren unten gerne Unmut äußern.

Das Netzwerk Streuobst sagt „Nein“ zur Endelbergtrasse.

Quelle: Übersichtslageplan in den Planunterlagen des RP Tübingen, S. 4

Quelle: Übersichtslageplan in den Planunterlagen des RP Tübingen, S. 4

Auf der letzten Sitzung des Netzwerks Streuobst informierten sich die Teilnehmer:innen über den Ausbau der B27 um Ofterdingen. Bei einer abschließenden Abstimmung sprachen sich die Netzwerkler:innen einstimmig (bei einer Enthaltung) gegen die Endelbergtrasse aus. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass wir uns öffentlich gegen diese Trassenführung positionieren und auch offiziell Widerspruch einlegen wollen. Die Gründe in Kurzform (wir arbeiten derzeit an einer ausführlichen Begründung hier die ausführliche Begründung):

  • Die teilweise jahrzehntealte Planung ist aus naturschutzfachlicher und verkehrspolitischer Sicht nicht mehr zeitgemäß.
  • Die Eingriffe in die Natur- und Kulturlandschaft sind unverhältnismäßig und irreversibel.
  • Der Flächenverbrauch sowie die Belastung durch Lärm und Schadstoffe sind enorm.
  • Der Nutzen ist angesichts zukünftig sinkender Verkehrszahlen sowie der gleichzeitigen Planung der Regionalstadtplan fraglich.
  • Eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger will umweltverträgliche und klimaneutrale Verkehrslösungen.
  • Es gibt Alternativen – sowohl in der Trassenführung als auch in der Verkehrspolitik.

Hilfreiche Links für weitere Informationen:
Planungsunterlagen beim Regierungspräsidium Tübingen
Website des „bündnis nachhaltige mobilität Steinlachtal“

Ausschnitt aus einem Banner des "Bündnis nachhaltige Mobilität / Erhalt des Steinlachtals"

Ausschnitt aus einem Banner des „Bündnis nachhaltige Mobilität / Erhalt des Steinlachtals“

Kirschen zum Selbsternten

Die Stadtnachrichten Mössingen vermelden:

Dieses Jahr findet kein Kirschenverkauf der Stadt Mössingen statt

In den Kirschenanlagen in Belsen, Brunnentröge und Bavendorf (Alter Morgen) dürfen die Kirschen auf eigenes Risiko selbst geerntet werden (Eine Leiter ist erforderlich). Wir bitten bei der Ernte mit den Bäumen schonend umzugehen. Die Kirschen wurden nicht gespritzt.

In der oberen und unteren Anlage auf der Olgahöhe in Mössingen dürfen keine Kirschen gepflückt werden, da momentan die Bäume mit alten Sorten kartiert und bestimmt werden.

Weitere Auskünfte erteilt Frau Wels bei der Stadtverwaltung. Das Telefon ist Montag, Dienstag und Donnerstag nachmittags sowie Mittwoch und Freitag vormittags besetzt unter Tel.: 07473/370-337.

Alte Kirschsorten gesucht

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Mössingen hat einen Kulturschatz, von dem viele gar nichts wissen: Die historische Kirschsortensammlung auf der Olgahöhe aus den 1960er Jahren. Dort wurden wertvolle Kirschsorten aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammengetragen. Die mittlerweile über 50-jährigen Bäume haben aber ihre besten Jahre hinter sich und fangen zunehmend an abzusterben. Im Zusammenhang mit der Rekultivierung dieses Sortenschatzes bittet Stadt Mössingen nun um Mithilfe aus der Bevölkerung:

„Bitte melden Sie sich, wenn Sie noch Bäume alter Sorten mit Namen kennen. Es geht darum, die Mössinger Kirschsorten vor dem Verschwinden zu retten und junge Bäume aus den Edelreisern der alten Veteranen nachzuziehen. Die Meldungen haben selbstverständlich keinerlei Auflagen zur Folge.“

Weitere Details zu der Aktion finden sich auf der Website der Stadt Mössingen.